Der BIB, Vorstandswahlen und viele Mails

Da diesen Beitrag ohnehin nur Interessierte lesen, versuche ich mich kurz und einigermaßen knapp zu halten. Aus nachvollziehbaren Gründen verzichte ich auf Namensnennungen,  die der ganzen Geschichte zu Grunde liegenden Mails liegen mir natürlich vor.

Nach der ersten außerordentlichen Mitgliederversammlung im Februar diesen Jahres, deren „Informationsgehalt“ ich bis heute nicht nachvollziehen kann, hatte ich noch keinen Gedanken an eine Kandidatur verschwendet. Zumal für mich immer noch die Frage im Raum steht, ob man als Leiter einer kleinen bis mittelgroßen Stadtbibliothek dieses Ehrenamt auch mit einem reellen Zeitanteil bewältigen kann.
Nach kritischer Betrachtung meiner eher knappen Freizeit sowie Abstimmungen mit Arbeitgeber und meinen Mitarbeiterinnen entschloss ich mich kurzfristig, aber nicht spontan zu einer Kandidatur, die Übernahme des Vorsitzes war definitiv ausgeschlossen. Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass es ein Kandidatenfeld von 6-8 Personen geben würde.

Nach Bekanntgabe der Kandidaturen begann alles mit einer Mail, aus der ich im folgenden zitiere.

[…] mir ist mitgeteilt worden, dass Sie, Herr Maxam, einerseits ebenfalls zur Wahl für den zukünftigen Vorstand des BIB stehen und andererseits sehr aktiv bei der AfD tätig sind und auf ihrer Website undemokratische Ansichten verbreiten.

Ja, ich bin Vize-Stadtverbandsvorsitzender der AfD Springe und stehe für eine liberal-konservative Politik. Das „sehr aktiv“ lasse ich einmal dahingestellt, den Vorwurf „undemokratische“ Ansichten zu verbreiten, weise ich entschieden zurück. Da sich der Inhalt meiner Webseite in Grenzen hält, ist dieses für jeden leicht zu überprüfen. Nach Nachfrage wurde auf eine von mir erstellte Bewerbung um ein höheres Parteiamt verwiesen. Der dort von mir zitierte Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ stammt nicht von mir. Ich kann diese Aussage jedoch unterstützen, weil es „den Islam“ nicht gibt. Dafür gibt es in diesem Land Moslems, die selbstverständlich das Recht haben, ihre Religion auszuüben. Ebenso steht für mich vollkommen außer Frage, das alle Menschen, egal welcher Ethnie, Sexualität, Weltanschauung sie angehören, die gleichen universellen Rechte und Pflichten haben.

Wenn dies stimmt, bitte ich Sie Herr Maxam, mir und dem jetzigen Vorstand des BIB dezidiert Ihre politische Position bezüglich Toleranz, Informationsfreiheit und Zugang zu Information und Medien für alle Altersgruppen, Bildungsschichten, Nationalitäten… zu erläutern. Bitte teilen Sie mir auch mit, wie Sie Ihre Ansichten in Einklang mit den BIB bringen wollen.

Ein Persilschein für eine Kandidatur im BIB? Warum habe ich den übrigen Kandidaten nichts erläutert? Weil ich weder meiner Familie, noch meinen Kolleginnen, noch meinem Arbeitgeber, noch zahlreichen Springer Bürgern etwas dezidiert erläutert habe. Wer mich kennt, kennt auch meine Positionen. Mir latente Ausländerfeindlichkeit zu unterstellen, um nichts anderes geht es hier, ist vollkommen abstrus. Sich unabhängig davon, kritisch zu einer Parteizugehörigkeit zu äußern, ist vollkommen legitim.

Darüber hinaus möchte ich dem jetzigen BIB-Vorstand den Vorschlag unterbreiten, dass alle zur Wahl stehenden Personen für den BIB-Vorstand im Vorfeld der Wahl öffentlich ihre Parteizugehörigkeit und politische Gesinnung erklären.

Kann man machen. Sollte man es machen? Ich kann nur für mich sprechen. Ich gehe keiner Diskussion aus dem Weg, die nicht von vornherein auf Ablehnung politischer missliebiger Positionen ausgerichtet ist. Ich hätte auch kein Problem damit gehabt, dieses Thema im BIB-internen Forum zu diskutieren. Auch wenn ich damit die Grenzen verbandspolitischer Transparenz für überschritten halte.

Ich erspare mir, aus vielen weiteren Mails zu zitieren, die dann munter hin und her geschickt wurden. Ich habe aus dem Kreis der BIB-Aktiven ermutigende Mails erhalten, aber auch, das sei nicht verschwiegen, Mails, die mich auf Grund ihres Inhaltes sehr verletzt haben.

Zum Abschluß möchte ich aus einer meiner vielen Mails zitieren, die vielleicht einiges auf den Punkt bringt.

Mein politische Einstellung, die ich grundsätzlich mit liberal-konservativ umschreiben möchte, ist seit vielen Jahren nicht nur meinem Freundes- und Bekanntenkreis sondern auch vielen Kollegen bekannt.
In der AfD tobt seit einigen Monaten ein Richtungsstreit zwischen Kräften, die sich durchaus rechts von der CDU positionieren möchten und Leute, die vermutlich eine NPD 2.0 anstreben.Aus diesem Grund habe ich meine politischen Ambitionen über die Stadtpolitik hinaus auch eingestellt. Ich denke auch seit einiger Zeit über einen kompletten Rückzug nach, weil ich eben mit einigen Aussagen definitiv nicht leben kann und auch mit den dahinterstehenden Personen eine Zusammenarbeit ablehne.
[…] Ich erspare mir hier die üblichen Floskeln, ich habe kein Problem mit Moslems, Juden, Lesben, Schwulen usw., weil jeder der mich kennt, weiß, das ich jedem Menschen, egal welcher Religion, Hautfarbe usw. mit Respekt und Offenheit begegne. Punkt.
Wer noch Informationsbedarf hat, darf sich gerne weiterhin an mich wenden. Ich habe  täglich mit vielen Menschen zu tun, die trotz meiner politischen Einstellung offenbar kein Problem mit mir haben. Das das jetzt ein „Erdbeben“ im BIB auslöst, verwundert mich durchaus.
Der Vorschlag eines Mitbewerbers, ich könnte ja kandidieren (eine Wahl wäre ja wahrscheinlich gewesen) und gleich danach zurücktreten, stand  für mich aus nachvollziehbaren Gründen außer Frage. Deshalb zog ich meine Kandidatur zurück.
Eine zukünftiges Engagement als BIB-Aktiver schließe ich aus.